Technik erklärt

Technik, Ladebedarf & Netzanschluss

Wie viel Ladeleistung Ihr Hof wirklich braucht, welche Begriffe in jedem Angebot auftauchen und was Sie tun können, wenn der Netzanschluss auf dem Papier zu klein ist.

Richtwerte für die erste Einordnung Ohne Tool rechenbar Verbindlich nach Lastganganalyse

Wie viel Ladeleistung braucht Ihr Hof?

Der Bedarf lässt sich mit Zahlen ausrechnen, die Sie längst kennen: Tagesstrecke, Verbrauch und die Zeit, die Ihre Fahrzeuge nachts stehen. Ein Tool brauchen Sie dafür nicht. Es sind fünf Rechenschritte.

Von der Tagesstrecke zur Ladeleistung: Beispiel Verteiler-Lkw

  • 1 · Tagesstrecke × Verbrauch 200 km × 1,1 kWh/km
  • 2 · Energie je Fahrzeug und Tag 220 kWh
  • 3 · Ladefenster 10 Stunden zwischen letzter Rückkehr und erster Abfahrt
  • 4 · Leistung je Fahrzeug 220 kWh ÷ 10 h = 22 kW
  • 5 · Zwölf Fahrzeuge gleichzeitig rund 265 kW Ladeleistung

Das Ladefenster ist die Zeit zwischen der letzten Rückkehr am Abend und der ersten Abfahrt am Morgen. Bei den meisten Depots sind das 8 bis 10 Stunden. Wer diese Spanne kennt, kennt seinen halben Bedarf.

Faustzahlen zum Verbrauch

E-Transporter bis 3,5 t

0,30 kWhje Kilometer

Verteiler-Lkw 18 t

1,10 kWhje Kilometer

Sattelzug 40 t

1,30 kWhje Kilometer

Fahrverbrauch ohne Ladeverluste. Für Ladeverluste rechnen Sie rund 5 bis 10 Prozent auf.

Finden Sie Ihre Zeile

Drei Fahrzeugtypen, vier Zahlen. Die letzte Spalte überrascht die meisten.

Tagesstrecke, Energiebedarf und passende Ladeleistung für drei Fahrzeugklassen
Fahrzeug Tagesstrecke Energie je Tag Über Nacht (10 Std.) Nachladen in der Pause (45 Min.)
E-Transporter 3,5 t 120 km rund 40 kWh 11 kW AC genügen 50 kW DC bringen rund 37 kWh: der komplette Tagesbedarf
E-Verteiler-Lkw 18 t 200 km rund 220 kWh 22 bis 50 kW 150 kW bringen rund 110 kWh: gut die Hälfte
E-Sattelzug 40 t 350 km rund 450 kWh 50 bis 150 kW eine HPC-Säule bringt rund 260 kWh: mehr als die Hälfte
  • Über Nacht braucht auch ein Sattelzug keine 350 kW. Zehn Stunden Standzeit machen aus einem Hochleistungsfall einen Normalfall.
  • Hohe Leistung brauchen Sie dann, wenn das Fenster kurz ist: Zwischenladen in der Pause, Kundenfahrzeug in der Werkstatt, Zwei-Schicht-Betrieb.
  • Die Nachtspalte entscheidet über den Netzanschluss, die Pausenspalte über die Säulenklasse. Beides zusammen ergibt die Auslegung.

Reicht eine Säule?

Was Sie mit einer gegebenen Anschlussleistung über Nacht tatsächlich laden können, zehn Stunden Ladefenster unterstellt.

  • 44 kW · vier AC-Ladepunkte mit 11 kW. Rund 440 kWh in 10 Std.: 10 E-Transporter oder 2 Verteiler-Lkw.
  • 88 kW · vier NOVA mit 22 kW. Rund 880 kWh: 4 Verteiler-Lkw oder 20 E-Transporter.
  • 150 kW · ein ORION mit 2 Ladepunkten. Rund 1.500 kWh: 6 Verteiler-Lkw oder 3 Sattelzüge, nacheinander und mit Umstecken.
  • 300 kW · zwei ORION plus acht NOVA. Rund 3.000 kWh: 12 Verteiler-Lkw, ohne Umstecken.
  • 600 kW · ein TITAN plus acht NOVA. Rund 6.000 kWh: 25 gemischte Fahrzeuge, davon 8 Sattelzüge.

Zehn Fahrzeuge über zehn Stunden brauchen nicht zehnmal die Ladeleistung

Sie brauchen eine Steuerung, die sie nacheinander bedient. Genau das macht Lastmanagement: Es verteilt die vorhandene Leistung, priorisiert nach Abfahrtszeit und hält die Spitze unter der Grenze Ihres Anschlusses. In vielen Depots ist es der Unterschied zwischen „Netzanschluss reicht“ und „Netzanschluss reicht nicht“.

Alle Zahlen dieser Seite sind Richtwerte für die erste Einordnung

Es sind Rechen- und Erfahrungswerte aus Projekten, keine Herstellerangaben. Ihr tatsächlicher Bedarf hängt an Fahrzeugmodell, Beladung, Topografie und Jahreszeit. Verbindlich wird die Auslegung erst, wenn Lastgang und Fahrpläne vorliegen: Lastganganalyse am Zähler, Abgleich mit den realen Abfahrts- und Rückkehrzeiten, dann die Dimensionierung. Bis dahin sind die Werte hier eine Einordnung, keine Zusage.

Fünf Begriffe, die in jedem Angebot auftauchen

Damit Sie Angebote vergleichen können, auch die von anderen.

Eichrecht (MID/PTB)
Gesetzliche Pflicht, sobald Sie geladenen Strom gegenüber Dritten abrechnen: Subunternehmern, Fremdfahrern, Mietern auf Ihrem Hof. Ohne eichrechtskonformen Zähler dürfen Sie keine Rechnung stellen. Unsere Säulen erfüllen das ab Werk.
Netzanschluss
Die Leistung, die Ihr Netzbetreiber Ihnen zusagt. In der Praxis der längste Posten im Projekt, weil der Netzbetreiber prüfen und oft ausbauen muss. Deshalb stellen wir den Antrag als Erstes, nicht als Letztes.
Lastmanagement
Verteilt die verfügbare Leistung dynamisch auf die ladenden Fahrzeuge. Damit laden acht Lkw an einem Anschluss, der rechnerisch nur für vier reicht, und Sie sparen den Netzausbau.
OCPP
Der offene Standard, über den Ladesäule und Software miteinander reden. Wichtig für Sie: Mit OCPP bleiben Sie beim Backend wechselfähig und sind nicht auf einen Anbieter festgelegt.
Lastspitze
Der höchste Leistungswert, den Sie im Jahr abrufen. Er bestimmt dauerhaft einen Teil Ihres Netzentgelts. Ein Batteriespeicher kappt diese Spitze und senkt damit die laufenden Kosten, nicht nur die Investition.

Steckertypen und Ladeschnittstellen

  • Typ 2: der europäische AC-Standard. Bis 22 kW, für alles, was über Nacht oder den ganzen Arbeitstag steht: Mitarbeiter-Pkw, Vorführfahrzeuge, leichte Transporter.
  • CCS2: der europäische DC-Standard. Für Schnell- und Hochleistungsladen von 50 kW bis 420 kW, also für kurze Ladefenster und schwere Fahrzeuge.
  • OppCharge: Ladung über einen Pantographen von oben statt über ein Kabel. Für schwere Nutzfahrzeuge mit sehr kurzen Standzeiten interessant, weil kein Fahrer ein 400-kW-Kabel stecken muss.

Eichrecht und MID in der Praxis

Eichrechtskonforme Messung heißt: Der Zähler in der Säule ist zugelassen, die Messwerte sind signiert und für den Kunden nachprüfbar. Die Konformitätsbewertung nach MID läuft über die Notified Body 0366; die Fertigung ist nach ISO 9001:2015 zertifiziert. Für Sie hat das zwei Folgen: Sie können gegenüber Dritten abrechnen, und Sie erfüllen die Nachweispflicht, die viele Förderprogramme voraussetzen.

  • Nur Eigenverbrauch? Dann ist Eichrecht formal nicht zwingend. Sinnvoll bleibt es trotzdem, weil sich Kostenstellen sonst nicht sauber trennen lassen.
  • Fremde Fahrzeuge auf dem Hof? Dann ist der eichrechtskonforme Zähler die Voraussetzung für jede Rechnung.
  • §14a EnWG (steuerbare Verbrauchseinrichtungen): Der Netzbetreiber darf die Leistung im Bedarfsfall reduzieren, Sie erhalten dafür ein reduziertes Netzentgelt. Unsere AC-Säulen sind entsprechend steuerbar.

Welche Klasse zu welcher Zeile passt

Nicht jedes Fahrzeug braucht 420 kW. Vier Klassen decken den Bedarf ab. Die Details, Maße und Ausstattungen stehen auf Ladesäulen NOVA bis TITAN.

  • NOVA · AC bis 22 kW · Typ 2, RFID/NFC, §14a-steuerbar. Für lange Standzeiten: Höfe, Werkstätten, Mitarbeiterparken.
  • SIRIUS · AC 22 kW mit 55-Zoll-Outdoor-Display · gleiche Ladetechnik, zusätzlich Werbefläche (DOOH-Zusatzerlös).
  • ORION · DC 50 bis 150 kW · CCS2. Der Allrounder für gemischte Fuhrparks; lädt einen mittleren Lkw-Akku in der Mittagspause spürbar nach.
  • TITAN · HPC bis 420 kW · 1.000 V / 500 A, CCS2, skalierbar als 1×420 kW oder 2×210 kW in 60-kW-Modulstufen. Für schwere Zugmaschinen mit kurzen Standzeiten.

„Reicht mein Anschluss überhaupt?“

Das ist die Frage, an der die meisten Depot-Projekte hängenbleiben, und meistens ist die Antwort besser als befürchtet. Netzausbau ist die letzte Stufe, nicht die erste. Drei Stufen kommen vorher.

  1. Zuerst: wissen, was Sie haben Die meisten Fuhrparkleiter kennen ihre Anschlussleistung nicht. Sie steht auf der Netzanschlussbestätigung, im Zählerschrank oder als kVA-Angabe auf der Stromrechnung. Wenn Sie sie nicht finden, ermitteln wir sie im Standort-Check (kostenlos, im Erstgespräch).
  2. Lastmanagement statt Netzausbau Ihre Fahrzeuge stehen die ganze Nacht und müssen nicht gleichzeitig laden. Das Lastmanagement verteilt die vorhandene Leistung nacheinander. So laden acht Fahrzeuge an einem Anschluss, der rechnerisch für vier reicht. Das kostet Software und Konfiguration, keinen Bagger, und ist sofort umsetzbar.
  3. Speicher als Puffer Ein Batteriespeicher lädt sich langsam aus dem Netz und gibt die Energie schnell an die Fahrzeuge ab. Damit verschieben Sie die Grenze, ab der ein Netzausbau nötig wird, und kappen gleichzeitig die Lastspitze, die dauerhaft Ihr Netzentgelt bestimmt. Mittlere Investition, wird mit der Anlage gebaut.
  4. Erst dann: Netzausbau Reicht auch das nicht, braucht es eine stärkere Anschlussleistung oder eine eigene Trafostation. Das ist der teuerste und vor allem der langsamste Weg, der größte Einzelposten im Projekt. Deshalb stellen wir den Antrag beim Netzbetreiber gleich zu Projektbeginn, nicht erst, wenn die Säulen bestellt sind.

Vorlaufzeit für Trafostation und Anschluss: erfahrungsgemäß 12 bis 60 Monate

Die Spanne hängt am Netzbetreiber und an der nötigen Ausbaustufe. Sie ist ein Erfahrungswert aus Projekten, keine Zusage. Entscheidend ist die Folge daraus: Der Netzanschluss ist der Grund, warum „wir entscheiden nächstes Jahr“ teuer wird. Nicht weil eine Förderfrist abläuft, sondern weil die Vorlaufzeit beim Netzbetreiber unabhängig von Ihrer Planung vergeht. Wer heute prüfen lässt, kann später immer noch entscheiden. Umgekehrt geht es nicht.

Die beiden Stufen vor dem Bagger

  • Lastmanagement holt aus dem bestehenden Anschluss heraus, was rechnerisch nicht drinsteckt: Es staffelt die Ladevorgänge nach Abfahrtszeit statt sie zu addieren.
  • Batteriespeicher entkoppelt Netzbezug und Ladeleistung: langsam laden, schnell abgeben, und die Lastspitze bleibt unter der Grenze.
  • Zusammen verschieben beide den Punkt, ab dem ein Netzausbau überhaupt nötig wird. In vielen Depots reicht das dauerhaft. Was Ihr Fall hergibt, zeigt die Lastganganalyse.

Wir rechnen Ihren Hof durch.

Lastgang, Ladefenster, Fahrpläne, Anschlussleistung: Daraus wird eine Auslegung, die trägt. Erstgespräch und Standort-Check sind kostenlos.